Wechselwarme Chamäleons “heizen” ihre Zunge

Chamäleons sind behäbige Reptilien. Ihre gemütliche Lebensweise würde sie zu einer leichten Beute machen, doch die sekundenschnelle Anpassung der Körperfarbe an den Lebensraum verhindert zumeist schlimmeres. Die ehedem langsamen Baumbewohner werden bei sinkenden Temperaturen, vor allem in den frühen Morgenstunden und in den Wintermonaten, noch trödeliger. Alle Organe sind der niedrigen Körpertemperatur in ihrer  Leistung angepasst – bis auf eines: die beeindruckende Zunge.

001_Chamaeleo_calyptratusWer ein Chamäleon beim Fang der Beute beobachtet hat, weiß, mit welcher Geschwindigkeit diese Tiere ihre Zunge aus dem Maul schnellen lassen. Eine Geschwindigkeitsmessung ergab, dass die Zunge in kaum mehr als 1/10 Sekunden die doppelte Körperlänge des Chamäleons zurücklegt. Damit die muskulöse und von Bindegewebe durchzogene Zunge so schnell ist, spannt das Chamäleon das Zungenbein an; die zusammengerollte Zunge schnellt, gleich einem Gummiband, hervor.  

 Das Bindgewebe ist, so fanden amerikanische Forscher der Universität von South Florida in Tampa heraus, für die Zunge eine Art Heizspirale. Denn, egal ob die Umgebungstemperatur nun 15 °C oder 35 °C ist, die Zunge kann stets mit der gleichen Geschwindigkeit herausgeschleudert werden – Dank der gleichbleibenden Temperatur. Lediglich das Einholen von Zunge und Beute verlangsamt sich bei niedrigen Temperaturen.

 Der Vorteil dieser Energieinvestition liegt darin, dass Chamäleons damit in die komfortable Situation versetzt werden, auch bei niedrigen Temperaturen noch Beute fangen zu können – dann, wenn die anderen Reptilien noch „starr vor Kälte“ auf die wärmende Sonne warten.

 

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