Es ist einfach nur kurios: Bis 1994 galt der Neukaledonische Kronengecko (Rhacodactylus ciliatus) als ausgestorben. Grund dieser Annahme war - die endemische Art lebt nur am südlichen Ende der namengebenden Insel - dass die fortschreitende Umweltzerstörung diesem Doppelfingergecko zum Verhängnis geworden sei. Damit war die Sensation perfekt, als die deutschen Biologen Robert Seipp und Konrad Klemmer den Neukaledonischen Kronengecko lebend entdeckten.
In den Resten ihres natürlichen Lebensraums findet man diese Geckoart im Blätterdach der tropischen Regenwälder. Es sind ausgezeichnete Kletterer, deren aktive Phase mit der Abenddämmerung beginnt. Sie ernähren sich von Insekten und Früchten. Damit die Art sich sicher in den Bäumen bewegen kann, unterstützen ihn Haftlamellen unter Füßen und Schwanz. Kräftige Krallen sorgen für sicheren Halt in der Baumrinde.
Ausgestattet ist der Schwanz mit einer Sollbruchstelle, sodass dieser bei Gefahr abgeworfen werden kann. Das Regenerat ist allerdings mickrig. Der Verlust des Schwanzes beeinflusst die Geschicklichkeit des Kronengeckos nicht.
Die Pflege im Terrarium gilt als einfach, so die Belange des bis 20 cm lang werdenden Kronengeckos berücksichtigt sind. Da er ein eifriger Kletterer ist, muss das Terrarium hoch sein. Es haben sich Terrarien von mindestens 60 cm x 60 cm x 100 cm (L x B x H) als geeignet für eine Gruppe von einem Männchen und zwei Weibchen erwiesen. Es wird empfohlen, die Pflege in der Gruppe nur vorübergehend zu praktizieren, da die Männchen als ruppig gelten und bei der dauerhaften Pflege den weiblichen Artgenossen Schaden können.
Wie erwähnt, nehmen die Männchen während der Paarung wenig Rücksicht auf den weiblichen Partner, weshalb diese erst mit einem Gewicht von ca. 35 g verpaart werden sollten. Nach der Paarung sind die Geschlechter zu trennen. Diese vorsorgliche Maßnahme schadet der Reproduktionsfreudigkeit nicht, denn die Weibchen speichern das Sperma und können so bis zu sechs Gelege ohne neuerliche Kopulation ablegen.
Weiterhin ist es empfehlenswert die Tagestemperatur auf durchschnittlich 27 °C zu halten, bei einer relativen Luftfeuchte von 70 – 80 %. Nachts kann die Temperatur auf um die 20 °C fallen. Die Ernährung ist mit Früchtebrei und Futterinsekten einfach zu bewerkstelligen. Die Kronengeckos leiden bei mangelnder Versorgung an Mineralien und Vitaminen schnell unter Rachitis. Rachitis ist eine Erkrankung der Knochen, die durch einen Mangel an Vitamin D und Kalzium ausgelöst wird. Rachitis lässt sich durch eine tägliche Gabe genannter Mineralien über die Futtertiere verhindern.
Unter diesen Pflegebedingungen gilt die Vermehrung als einfach. Steht die Zeitigung an, gräbt das Weibchen eine Mulde in die feuchtwarme Erde und legt dort zwei Eier ab, die anschließend zugegraben werden.
Die Bebrütung der Eier erfolgt zwischen 22 °C und 29 °C. Welche Temperatur welches Geschlecht begünstigt, ist bisher nicht eingehend untersucht. Eine Temperatur von 26,5 °C bringt ein günstiges Geschlechterverhältnis, bei dem mehr Weibchen schlüpfen.
Literatur:
Seipp, R. & Klemmer, K. (1994): Wiederentdeckung von Rhacodactylus ciliatus Guichenot 1866 im Süden Neukaledoniens (Reptilia: Sauria: Gekkonidae). Senckenergiana Biologica 74(1-2), 199-204
Alle Fotos: Dirk Friebe (http://www.fisch-fieber.de)