Anmutig aber eiskalt - Gottesanbeterinnen

Die gebetsähnliche Haltung des ersten, mit Dornen besetzten Beinpaares, verlieh den Gottesanbeterinnen aus der Familie Mantodea ihren Namen. Dabei sind die Tiere im Umgang mit ihrer Beute alles andere als fromm.

gottesanbeterin_m2In Bruchteilen einer Sekunde wird das Opfer gepackt und zum Maul befördert. Eine Flucht der zappelnden Beute ist durch die erwähnten Stacheln kaum mehr gegeben. Je nach Art werden Insekten bis hin zu kleinen Wirbeltieren und Vögeln gefangen. Die Opfer werden bei lebendigem Leibe gefressen, anders als bei vielen anderen Jägern die ihre Beute erst töten, ehe sie diese fressen.

Trotz dieser unbarmherzigen Eigenschaft üben die filigran wirkenden Fangschrecken eine nicht zu leugnende Faszination auf den Betrachter aus. Dieses führte im Mittelalter dazu, dass man der Gottesanbeterin seherische Fähigkeiten nachsagte, wovon übrigens der griechische Gattungsname „Mantis“ abgeleitet ist.

Der dreieckige, gut drehbare Kopf ist eine weitere Auffälligkeit der Gottesanbeterinnen. Die Besonderheit resultiert daher, weil die Gottesanbeterin ein visueller Jäger ist. Üblicherweise ist der Kopf eines Insekts starr.

Die Weibchen erreichen je nach Art bis zur vierfachen Länge ihrer männlichen Artgenossen. Aufgrund ihrer Größe ist es ihr – im Gegensatz zu den Männchen – kaum mehr möglich zu fliegen oder gar zu hüpfen. Die Beweglichkeit des Männchens indes tut Not, denn allzu oft landet er nach der Paarung im Magen seines Geschlechtspartners. Mag sein, dass daher die Einsicht kommt: „Liebe geht durch den Magen“.

Nach einem mehrstündigen Geschlechtsakt, bei dem sie in eine Starre fällt, beginnt wenige Tage später der Bau von Kokons, deren Größe bis zu 4 cm lang ist. Jeder dieser Kokons kann bis zu 200 Eier beherbergen.gottesanbeterin_m1

Der Schlupf der Nymphen ist abhängig vom Verbreitungsgebiet und dem dort herrschenden Klima. Die Larven erlangen nach der ersten Häutung ihre volle Beweglichkeit und gehen jetzt auf die Jagd nach kleinen Insekten, wie Blattläuse oder Fruchtfliegen. Es dauert nun 6 bis 8 Häutungen bis aus den Nymphen erwachsene Exemplare geworden sind.

Wer sich für die Terrarienpflege dieser interessanten Insekten entscheidet, sollte auf Einzelhaltung achten. Dafür reicht ein Terrarium mit der Grundfläche 30 cm x 30 cm und eine Höhe von 40 cm. Als Dekoration dienen diverse Gräser und Pflanzen, die in den  Herkunftsgebieten der Tiere wachsen. Dieses schließt Luftfeuchte, Temperatur und Beleuchtungsdauer ein. Die Männchen dürfen nur zur Fortpflanzung zu den Weibchen gesetzt werden. Bleibt zu ergänzen, dass Gottesanbeterinnen kaum mehr als 6 bis 9 Monate alt werden.

Die Gottesanbeterin Mantis religiosa ist die einzige in Teilen Deutschlands lebende Fangschrecke. Sie steht auf der Roten Liste und gilt als streng geschützt.

 

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